Please Enable JavaScript in your Browser to visit this site

In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Gedanken über Streit, Macht und die Kräfte der Spaltung
Eine Gruppe von Dorfbewohnern, die sich wütend auf einem Feld gegenüberstehen, das durch Spaltung und Streit in zwei Hälften geteilt ist, mit einem zerrissenen Schild mit der Aufschrift REFERENDUM auf dem Boden. Im Hintergrund sind traditionelle Häuser und eine Kirche zu sehen.

Im Moment wird in meinem Wohnort (Oberdorf BL) heftig über den Kunstrasen des FC Oberdorf diskutiert. Kaum ein anderes Thema bewegt das Dorf derzeit so stark. Argumente werden ausgetauscht, Zahlen geprüft, Meinungen vertreten.

Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. In einer Demokratie darf und soll man über Projekte streiten.

Doch wer genau hinschaut, merkt: Der Streit um den Kunstrasen ist längst mehr als eine sachliche Diskussion über Kosten oder Infrastruktur. Er hat etwas ausgelöst, das viel schwerer wiegt.

Das Dorf beginnt sich zu spalten.

Wenn aus Diskussionen Lager werden

Am Anfang steht meist eine einfache Meinungsverschiedenheit. Die einen finden ein Projekt sinnvoll, die anderen nicht.

Das ist normal.

Schwierig wird es erst dann, wenn aus einer Diskussion plötzlich Lager entstehen. Wenn nicht mehr nach Lösungen gesucht wird, sondern nur noch nach Argumenten, die den anderen widerlegen sollen.

Dann geht es nicht mehr um das Projekt.

Dann geht es um Sieg oder Niederlage.

Die leisen Kräfte der Spaltung

Spaltung entsteht selten laut.

Sie wächst leise.

Zuerst wird Misstrauen gesät.
Dann werden Zweifel genährt.
Schliesslich wird jede Lösung erneut bekämpft.

Ein Vorschlag liegt auf dem Tisch?
Dann beginnt sofort die nächste Runde.

Eine Lösung wird verbessert?
Dann wird sie erneut infrage gestellt.

So dreht sich alles im Kreis.

Und während sich die Diskussion im Kreis dreht, geschieht etwas anderes: Die Menschen beginnen sich gegenseitig zu misstrauen.

Wenn Engagement zum Ziel wird

Ein Dorf lebt nicht nur von Häusern und Strassen.

Ein Dorf lebt von Menschen, die sich engagieren.

Von Vereinen, von freiwilliger Arbeit, von Menschen, die Zeit investieren, Verantwortung übernehmen und etwas aufbauen wollen.

Doch Engagement ist empfindlich.

Wer sich engagiert, braucht nicht Beifall. Aber er braucht zumindest das Gefühl, dass sein Einsatz nicht ständig zermürbt wird.

Wenn jede Initiative sofort zum politischen Schlachtfeld wird, wenn jeder Versuch einer Lösung erneut blockiert wird, dann entsteht irgendwann eine gefährliche Frage:

Warum soll man sich überhaupt noch engagieren?

Der Preis

Die grösste Gefahr für ein Dorf ist nicht, dass ein Projekt scheitert.

Projekte kommen und gehen.

Die grössere Gefahr liegt darin, dass der Zusammenhalt verloren geht.

Ein Dorf kann viele Meinungen aushalten.
Es kann sogar heftige Konflikte überstehen.

Aber ein Dorf, das dauerhaft gespalten ist, verliert etwas viel Wertvolleres:

das Vertrauen zwischen seinen Menschen.

Eine alte Wahrheit

Vielleicht gilt auch heute noch eine alte Dorfweisheit:

Ein Dorf wird nicht von aussen zerstört.
Ein Dorf zerbricht immer von innen.

Darum sollten wir gut darauf achten,
welche Kräfte wir in Bewegung setzen.

Denn was einmal entzweit ist,
lässt sich nicht so leicht wieder zusammenfügen.

 

1 Kommentar

  1. Sonja Degen

    I cha nummä sägä, do hesch dr Nagel uf ä Chopf troffä. Hoffä sehr, dass an dr Gmeini d’Vernunft siegt.

Über

Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

FOLGEN

NEWSLETTER