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In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Der unbeugsame Wirt von Hölstein
Eine silberfarbene Hölstein-Figur eines sich aufbäumenden Pferdes auf einem dekorativen, kunstvoll verzierten, unbeugsamen Sockel.

Im Juli 1653 wurden beim Basler Steinentor sieben Männer hingerichtet. Sie hatten zu den Anführern des Bauernaufstands gehört. Sechs wurden mit dem Schwert gerichtet, Uli Schad aus Oberdorf wurde gehängt – eine besonders entehrende Strafe.

Unter den Verurteilten befand sich ein Hans Gysin, ein Schuhmacher aus Liestal.

Zur gleichen Zeit sass ein anderer Hans Gysin im Steinentorturm gefangen: der Rössliwirt aus Hölstein. Auch er hatte bei den Aufständischen eine führende Rolle gespielt. Sein Liestaler Namensvetter starb. Der Hölsteiner blieb am Leben.

Wie kam es dazu?

Hans Gysin war ein angesehener Wirt. Sein «Rössli» lag an der wichtigen Verbindung über den Oberen Hauenstein. Reisende, Fuhrleute und Händler kamen dort vorbei. Man ass, trank, machte Geschäfte und erfuhr, was in den anderen Orten los war.

Gysin war zugleich Amtspfleger. Mit den Herren in Basel verstand er sich zunächst gut. 1642 erhielt er von den Obervögten sogar ein kunstvoll gearbeitetes silbernes Pferd als Ehrengeschenk. Ein Rösslein für den Rössliwirt. Nach einer alten Überlieferung bewirtete er aus Freude darüber seine Gönner und zahlreiche Landleute gleich zwei Tage lang.

Wenige Jahre später war es mit dieser Eintracht vorbei.

Auf der Seite der Bauern

Die Bauern klagten über hohe Abgaben, vor allem über das Soldatengeld, über Salzpreise und allerlei Gebühren. Viele hatten den Eindruck, dass die Stadt ihnen neue Lasten auferlegte, während sie selber kaum mitreden konnten.

Im Frühjahr 1653 schlossen sich Bauern aus mehreren eidgenössischen Gebieten zusammen. Auch im Baselbiet wurden Versammlungen abgehalten. Im Hölsteiner «Rössli» traf man sich zu Beratungen. Gysin gab den Männern Raum, half mit Geld und gehörte bald zu den wichtigsten Köpfen der Bewegung.

Er war allerdings nicht einfach ein Mann, der bei jeder Gelegenheit zum Kampf rief. Anfang April bemühte er sich in Liestal um Mässigung und trug dazu bei, dass Basler Truppen wieder abzogen. Am Landtag vom 18. April auf dem Altmarkt nahm er dann aber den ländlichen Beamten den Eid auf den Bundesbrief der Bauern ab. Auch die Reise der Abgeordneten nach Sumiswald und Huttwil unterstützte er finanziell.

Damit hatte er sich eindeutig auf eine Seite gestellt.

Am 3. Juni wurden die Bauern bei Wohlenschwil geschlagen. Die Basler Truppen besetzten die Landschaft, entwaffneten die Aufständischen und nahmen zahlreiche Männer fest. Unter den Verhafteten war auch Hans Gysin.

Die Stadt wollte ein Exempel statuieren. Wer den Gehorsam verweigert hatte, sollte sehen, welchen Preis das haben konnte.

Während die sieben Männer zum Richtplatz geführt wurden, sass der Hölsteiner Wirt im Gefängnis. Sein Liestaler Namensvetter wurde mit dem Schwert enthauptet. Auch für den Hölsteiner schien es schlecht auszusehen.

Hilfe, die nicht vergessen ging

Dann trafen in Basel Schreiben ein, die aus Rheinfelden, Badenweiler und Landser im Sundgau stammten.

Diese Amtsleute erinnerten an das Jahr 1638. Damals hatte der Dreissigjährige Krieg die Gegend um Rheinfelden und Beuggen schwer getroffen. Menschen waren aus ihren Häusern vertrieben worden und hatten jenseits der Grenze Schutz gesucht.

Der Rössliwirt aus Hölstein hatte zahlreiche Flüchtlinge beherbergt und verpflegt. Er hatte ihnen geholfen, als sie kaum mehr wussten, wohin sie sollten.

Fünfzehn Jahre später war das nicht vergessen. Die Fürsprecher baten Basel, einen Mann, der so vielen Menschen in Not beigestanden hatte, nicht hinrichten zu lassen.

Diese Briefe hatten Gewicht. Die Stadt musste auch an ihre Beziehungen zu den benachbarten Gebieten denken. Schliesslich liess sie von der Hinrichtung ab.

Nach einer historischen Darstellung wurde Gysin zu zwei Jahren Gefängnis und zu einer Vermögensabgabe verurteilt. Andere Darstellungen nennen den Verlust seines Amts und eine hohe Geldstrafe. Sicher ist: Er überlebte und konnte später nach Hölstein zurückkehren.

Sein Liestaler Namensvetter hatte dieses Glück nicht.

Zurück im «Rössli» und im Amt

Gysin führte das «Rössli» weiter. Sein Besitz blieb beträchtlich, und bereits 1657 wird er nach einer anderen historischen Darstellung wieder als Amtspfleger genannt. Vier Jahre nach dem Aufstand also wieder im Dienst jener Obrigkeit, gegen die er sich erhoben hatte.

Vielleicht war man in Basel zur Einsicht gelangt, dass ein tüchtiger Amtspfleger auch dann brauchbar bleibt, wenn er gelegentlich anderer Meinung ist als seine Vorgesetzten.

Und was wurde aus dem silbernen Rösslein?

In einem Inventar aus dem Jahr 1666 wird ein solches Stück erwähnt. Das Historische Museum Basel besitzt ein silbernes Pferd aus dem 17. Jahrhundert, gefertigt vom Goldschmied Sebastian Fechter. Es trägt die verschlungenen Initialen «JG». Ob es wirklich das Geschenk an den Hölsteiner Hans Gysin ist, lässt sich nicht sicher beweisen. Die Spur ist aber reizvoll.

Was mir an dieser Geschichte besonders auffällt, sind die Briefe aus Rheinfelden, Badenweiler und dem Sundgau. Gysin hatte einst fremden Menschen geholfen. Jahre später waren es andere, die sich für ihn einsetzten.

Ein Wirt, zwei Namensträger, ein gescheiterter Bauernaufstand und ein silbernes Pferd: Das alles gehört zur Geschichte des Waldenburgertals.

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Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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