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In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Ein Jahr als Robinson – wie ein Kinderbuch mein Leben prägte
Ein Aquarell in Nahaufnahme, das einen braunen Falken mit dunklen Flecken auf der Brust und gelben Augen zeigt, der vor einem verschwommenen, grünlichen Hintergrund steht – dieses Kunstwerk fängt den Geist von „Ein Jahr als Robinson“ ein und vermittelt die Einsamkeit und Widerstandsfähigkeit, die man in der Wildnis findet.

Mehr als sechzig Jahre ist es her, dass mir meine Mutter ein Buch schenkte, das ich bis heute nicht vergessen habe: Ein Jahr als Robinson (Originaltitel: My Side of the Mountain).

Mein Exemplar steht noch immer im Bücherregal. Der Einband ist abgenutzt, die Seiten sind vergilbt. Es ist eines jener Bücher, die einen ein Leben lang begleiten.

Ich war kaum acht Jahre alt, als ich es zum ersten Mal las. Danach immer wieder. Ich wusste längst, wie die Geschichte ausgeht, und trotzdem nahm ich das Buch jedes Mal erneut zur Hand.

Die Geschichte erzählt von Sam Gribley, einem Jungen aus New York, der mit dem Einverständnis seiner Eltern für ein Jahr in die Catskill Mountains zieht. Dort richtet er sich in einem hohlen Baumstamm ein, lernt Feuer zu machen, Nahrung zu finden und mit einem Wanderfalken zu leben.

Mich faszinierte nicht nur das Abenteuer. Es war die Vorstellung, mit wenigen Dingen auszukommen und sich auf die eigenen Fähigkeiten verlassen zu können.

Jean Craighead George kannte die Natur aus eigener Erfahrung. Schon als Kind verbrachte sie viel Zeit draussen. Dieses Wissen fliesst ganz selbstverständlich in ihre Geschichte ein. Man merkt, dass hier niemand über die Wildnis schreibt, der sie nur aus Büchern kennt.

Als Bub probierte ich vieles aus, was Sam tat. Ich wollte Feuer machen, Pflanzen kennenlernen und wissen, wie man draussen überleben könnte. Natürlich blieb vieles Spiel und Fantasie. Aber das Buch weckte eine Begeisterung für die Natur, die mich nie mehr verlassen hat.

Rückblickend glaube ich, dass mich Ein Jahr als Robinson stärker geprägt hat, als ich damals ahnte. Es zeigte mir, dass Zufriedenheit wenig mit Besitz zu tun hat. Dass man Schwierigkeiten mit Einfallsreichtum begegnen kann. Und dass die Natur weit mehr ist als eine schöne Kulisse.

Heute erkenne ich, dass vieles, was mich später im Leben begleitet hat, seinen Ursprung in diesem Buch hat. Meine Liebe zur Natur, meine Reisen, meine Freude am einfachen Leben und wohl auch vieles von dem, was ich heute schreibe, wurden damals angestossen. Ohne es zu wissen, legte meine Mutter mit diesem Geschenk einen Grundstein, der mich bis heute trägt.

Ob Kinder heute noch zu diesem Buch greifen würden? Ich weiss es nicht. Ich wünsche mir jedoch, dass möglichst viele seine Geschichte noch kennenlernen dürfen. Denn Sam Gribleys Abenteuer erzählt von Werten, die nichts von ihrer Bedeutung verloren haben: Selbstständigkeit, Verantwortung, Bescheidenheit und die Freude daran, die Welt mit eigenen Augen zu entdecken.

Jean Craighead George schrieb über hundert Bücher, fast alle mit einer tiefen Verbundenheit zur Natur. Ihre Geschichten entstanden lange bevor Survival zum Modethema wurde. Gerade deshalb wirken sie bis heute so glaubwürdig.

Wenn ich heute an dieses Buch denke, empfinde ich vor allem Dankbarkeit. Es hat meine Kindheit bereichert und meinen Blick auf die Natur nachhaltig geprägt.

Dafür, liebe Jean Craighead George, sage ich von Herzen: Danke.

Jean Craighead George und «Ein Jahr als Robinson»

Jean Craighead George (1919–2012)

  • Erfolgreiche US-amerikanische Kinder- und Jugendbuchautorin
  • Schrieb mehr als 100 Bücher
  • Bekannt für naturverbundene Abenteuer- und Tiergeschichten
  • Ausgezeichnet unter anderem mit der Newbery Medal
  • Ihre Werke gehören heute zu den Klassikern der Jugendliteratur

«Ein Jahr als Robinson» (My Side of the Mountain)

  • Ersterscheinung: 1959 in den USA, deutsche Ausgabe ab 1962
  • Handlung: Sam Gribley lebt ein Jahr allein in den Catskill Mountains. Er baut sich einen Unterschlupf, macht Feuer, findet Nahrung und zähmt einen Wanderfalken.
  • Themen: Naturverbundenheit, Selbstständigkeit, Mut und Freude am einfachen Leben
  • Fortsetzungen: Jean Craighead George schrieb mehrere Anschlussbände, darunter On the Far Side of the Mountain aus dem Jahr 1990.

P.S.: Die deutschsprachige Ausgabe von Ein Jahr als Robinson ist heute leider nicht mehr erhältlich. Auch auf dem antiquarischen Markt ist sie nicht mehr zu finden. Deshalb habe ich mein eigenes Exemplar vollständig eingescannt. Gerne stelle ich das gesamte Buch als PDF kostenlos zur Verfügung. Eine kurze E-Mail an hanspeter@gautschin.com genügt.

 

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Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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