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In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Samstag – der Tag, der die Woche einsammelt
An einem Samstagmorgen fegt ein Mann den Holzboden, während eine Frau an einem rustikalen Küchentisch die Wäsche zusammenlegt. Das Sonnenlicht strömt durch offene Türen und Fenster, und vor dem gemütlichen Haus stehen Körbe, Blumen und eine ländliche Landschaft.

Der Samstag hat seine eigene Art, im Kalender zu stehen. Er wirkt wie ein Zwischenraum. Der Freitag hat noch Glanz, der Sonntag hat Ruhe. Der Samstag liegt dazwischen und macht, was er immer macht: Er sammelt ein. Er schliesst ab. Er ordnet.

Schon der Name ist interessant. «Samstag» führt in eine ältere Welt, zum Sabbat, zum Gedanken des Innehaltens. In manchen Gegenden sagt man «Sonnabend», der Abend vor dem Sonntag. Zwei Wörter, zwei Blickrichtungen. Der eine Name klingt nach Ruhe, der andere nach Vorbereitung. Und genau so fühlt sich der Samstag oft an: ein Tag, der beides kennt.

In Skandinavien trägt der Samstag in alten Bezeichnungen den «Waschtag» in sich. Wasser, Lauge, Wäsche. Das klingt nach Haushalt, nach Arbeit, nach dem Praktischen. Das ist kein schönes Bild, aber ein treffendes. Der Samstag ist in vielen Häusern der Tag, an dem man wieder merkt, wie man lebt. Der Boden. Die Küche. Die Wäsche. Das Zeug, das sich sammelt, wenn die Woche durchrennt.

Am Samstag macht man Wege, die unter der Woche keinen Platz finden. Einkaufen. Zur Post. In den Keller. In die Garage. In den Garten. Man trägt Kisten. Man schleppt Säcke. Man sortiert. Man stellt Dinge zurück, die überall herumliegen. Es sind kleine Handgriffe, aber sie haben Wirkung. Am Abend sieht die Wohnung anders aus. Und oft sieht auch der Kopf anders aus.

Der Samstag hat etwas Handfestes. Er riecht nach frischer Luft, nach warmem Wasser, nach Putzmittel, nach Kaffee zwischen zwei Arbeitsschritten. Ein Tag mit Besenstiel und Schraubenzieher, mit Wischlappen und Abfallsack. Das klingt banal, aber genau diese Banalität ist der Kern. Wer am Samstag eine Stunde Ordnung macht, kauft sich Zeit. Nicht Zeit im Kalender, Zeit im Innern.

Viele spüren am Samstag diese merkwürdige Mischung: Man hat mehr Freiheit, und man hat eine Liste im Kopf. Nicht immer auf Papier. Oft als ständiges «Das müsste ich auch noch». Der Samstag ist der Tag, an dem man diese Stimme entweder ernst nimmt oder weiterschiebt. Wer sie weiterschiebt, nimmt sie in den Sonntag mit. Und der Sonntag wird dann nicht ruhig, sondern nur später hektisch.

Man kann den Samstag auch vom Englischen her ansehen: «Saturday», der Tag des Saturn. Saturn hat in der alten römischen Vorstellung etwas Schweres. Zeit. Grenzen. Mass. Konsequenz. Ein Gott, der wenig lächelt und viel erinnert. Genau das passt zum Samstag. Dieser Tag setzt eine Kante. Er sagt: Die Woche ist bald vorbei. Schau, was noch offen ist. Bring zu Ende, was dich sonst am Montag wieder anspringt.

Samstag ist ein Tag der Abschlüsse. Rechnungen, die man endlich bezahlt. Dinge, die man endlich repariert. Schubladen, die man endlich ausmistet. Gespräche, die man endlich führt. Nicht immer gross, manchmal ganz klein. Ein Anruf. Ein kurzer Besuch. Ein «Ich komme nachher vorbei». Der Samstag ist oft der Tag, an dem man wieder zu den Menschen findet, die unter der Woche hinten runterfallen.

Und dann gibt es den stillen Teil des Samstags. Der kommt häufig erst am Abend. Wenn die Einkaufstaschen weggeräumt sind. Wenn der Abfall draussen steht. Wenn der Boden trocken ist. Wenn die Wäsche hängt. Dann setzt man sich hin, und es ruft einem weniger nach. Es ist kein Triumph. Es ist Ruhe, die man spürt. Eine Ruhe, die entsteht, weil man sich gekümmert hat.

Der Samstag zeigt auch, wie ehrlich ein Zuhause ist. Nicht das, was man Besuchern zeigt. Das, was in den Ecken liegt. Das, was in der Schublade steckt. Das, was man lange übersieht, bis es plötzlich nervt. Am Samstag sieht man diese Dinge eher. Und man hat die Gelegenheit, sie zu ändern. Nicht perfekt. Einfach so, dass man wieder Platz hat.

Ein sauberer Tisch am Samstagabend ist mehr als ein sauberer Tisch. Er ist ein Zeichen: Jetzt darf der Sonntag kommen. Jetzt darf es stiller werden. Wer am Samstag aufräumt, räumt dem Sonntag den Weg frei.

Darum ist der Samstag kein Tag für grosse Reden. Er ist ein Tag für kleine Taten. Und am Schluss, wenn das Licht in der Stube angeht und draussen die Dunkelheit steigt, merkt man: Die Woche ist eingesammelt. Gefaltet. Weggelegt. So, dass man am nächsten Morgen nicht gleich stolpert.

 

6 Kommentare

  1. Beatrice Hefti

    Wieder auf den Punkt. Aber eines hast du noch vergessen am Samstag Abend wurde dann noch immer ein Bad genommen

  2. Degen Sonja

    Sehr gueät und träffend dä Text, wo du über ä Samschtig verfasst hesch.

  3. Hanspeter Gautschin

    @Beatrice
    Ja, das stimmt. War bei uns damals auch so.

  4. Hanspeter Gautschin

    @Sonja
    Danke Sonja.

  5. Peter Müller

    Lieber Hanspeter das kann ich so übernehmen. eine feinsinnige Etrzählung über den Samstag der bei uns immer noch so abläuft. @ Beatrice auch wir gingen damals zu dritt nacheinander ins Bad! 🙂

  6. Hanspeter Gautschin

    @Peter
    So habe ich es auch in Erinnerung. Einmal baden in der Badewanne. Das genügte damals!

Über

Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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