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In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Kinder denken quer – und genau deshalb kommen sie weiter
Ein kleiner Junge aus Kinder liegt auf dem Boden und baut nachdenklich ein buntes LEGO-Haus – dabei nutzt er „quer denken“, um weiterzukommen –, umgeben von verstreuten Bausteinen in einem sonnendurchfluteten Zimmer, im Hintergrund sind Bücher, ein Globus und ein Spielzeugsegelboot zu sehen.

Neulich fiel mir eine Zeitschrift aus dem Jahr 1952 in die Hände. Darin berichtete ein Autor über Kinder, die mit ihren Ideen technische Entwicklungen angestossen haben sollen.

Ob jede einzelne Geschichte historisch bis ins letzte Detail stimmt, ist für mich gar nicht die entscheidende Frage. Viel interessanter ist der Gedanke dahinter.

Warum entstehen manche der besten Ideen gerade dort, wo noch niemand gelernt hat, dass etwas angeblich nicht geht?

Kinder betrachten die Welt mit anderen Augen. Sie kennen die Regeln noch nicht so genau. Und gerade deshalb stellen sie Fragen, auf die Erwachsene oft gar nicht mehr kommen.

Warum muss ein Rad hart sein?

Warum kann eine Maschine das nicht selber machen?

Warum machen wir das überhaupt so?

Für Erwachsene wirken solche Fragen manchmal naiv. Dabei beginnt fast jede Erfindung genau dort: mit dem Mut, etwas Selbstverständliches infrage zu stellen.

Je älter wir werden, desto mehr Erfahrung sammeln wir. Das ist gut und wichtig. Erfahrung schützt vor Fehlern. Sie hilft uns, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Doch sie hat auch ihre Schattenseite. Mit den Jahren schleichen sich Gewohnheiten ein. Vieles tun wir nicht mehr, weil wir darüber nachgedacht haben, sondern weil wir es schon immer so gemacht haben.

Kinder besitzen diese Last der Gewohnheit noch nicht.

Sie probieren aus. Sie bauen etwas zusammen, nehmen es wieder auseinander und versuchen es noch einmal. Für sie ist ein Misserfolg kein Scheitern. Er gehört einfach zum Spiel.

Ich gehörte als Kind nicht zu den grossen Tüftlern. Mit Hammer und Säge war ich eher auf Kriegsfuss. Dafür konnte ich stundenlang Legohäuser bauen und mir überlegen, wie Räume, Treppen und ganze kleine Welten entstehen könnten. Vielleicht war das eine andere Form von Erfinden. Denn Kreativität zeigt sich nicht nur in Werkstätten. Sie beginnt dort, wo Fantasie Gestalt annimmt.

Heute scheint vieles bereits fertig zu sein. Spielzeuge funktionieren auf Knopfdruck. Antworten liefert das Smartphone innert Sekunden. Wer etwas wissen will, fragt eine Suchmaschine. Wer etwas bauen möchte, bestellt es oft lieber gleich im Internet.

Bequemer ist das gewiss. Aber manchmal frage ich mich, ob uns dabei nicht ein Stück jener geduldigen Neugier verloren geht, aus der früher manches entstanden ist. Dieses Herumprobieren ohne Garantie. Dieses Nachdenken mit den Händen, mit den Augen, mit der Fantasie. Dieses kindliche Vertrauen, dass eine Lösung vielleicht noch nicht vorhanden ist, aber gefunden werden kann.

Dabei braucht es gar keine weltbewegende Erfindung. Auch im Alltag entstehen neue Wege nur dort, wo jemand bereit ist, Gewohntes zu hinterfragen. Wer fragt: «Geht das auch anders?», hat den ersten Schritt bereits gemacht.

Vielleicht tragen wir alle noch ein Stück dieses neugierigen Kindes in uns. Es ist nur leiser geworden. Überdeckt von Terminen, Verpflichtungen und der Überzeugung, dass andere schon wissen werden, wie es richtig geht.

Dabei beginnt jede Veränderung mit einer einfachen Frage.

«Warum eigentlich?»

Und vielleicht ist genau diese Frage die grösste Erfindung, zu der Kinder uns auch heute noch inspirieren können.

 

1 Kommentar

  1. Göni

    Bei Kindern gibts ja das „Warum-Alter“. Da können sie dich fast zur Verzweiflung bringen. Und wenn dir auf s‘Warum nichts einfällt dann ist es halt einfach so!!

Über

Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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