1839 starb der Müller Heinrich Buser im Niederschöntal unter qualvollen Umständen. Seine Frau Anna Maria hatte ihn vergiftet. Hinter der Tat stand eine zerrüttete Ehe, die nach dem Willen der Richter fortbestehen musste. Die Geschichte eines Verbrechens, das das junge Baselbiet erschütterte.
Wer damals an der Drahtzugmühle im Niederschöntal vorbeikam, sah ein blühendes Gewerbe. Die Mühle gehörte zu den bedeutenden Betrieben der Gegend. Das Vermögen der Familie Buser war beträchtlich, das Geschäft einträglich. Hinter den Mauern aber herrschte seit Jahren Streit. Im Frühjahr 1839 nahm er ein tödliches Ende.
Heinrich Buser, Müller von Ziefen, hatte Anna Maria Graf aus Maisprach im Februar 1815 geheiratet. Nach wenigen Wochen zog das Paar auf die Drahtzugmühle, die politisch zu Füllinsdorf gehörte. Anna Maria galt als fleissig und sparsam. Sie kümmerte sich um den Betrieb und hielt das Geld zusammen. Mit ihrem Mann lebte sie zunehmend in Feindschaft.
Das Gericht schickte sie zurück
Anna Maria warf Heinrich vor, zu viel zu trinken, die Arbeit zu vernachlässigen und das Vermögen zu gefährden. Sie versuchte sogar, ihn unter Vormundschaft stellen zu lassen, um die Mühle selbst zu führen. Die Behörden lehnten ab: Der Betrieb war erfolgreich, das Vermögen hatte sich während der Ehe vermehrt.
Am 17. August 1838 erschien sie vor dem Bezirksgericht in Liestal und verlangte die Scheidung. Heinrich war grundsätzlich einverstanden, wollte jedoch die Mühle behalten. Genau darüber herrschte Uneinigkeit. Ein Nachbar berichtete zudem, der älteste Sohn habe den Vater einmal vor dem Haus tätlich angegriffen. Anna Maria habe die Demütigung ihres Mannes gebilligt.
Die Richter erkannten die tiefgreifende Zerrüttung der Ehe und schickten die beiden dennoch nach Hause. Sie sollten sich, so die gerichtliche Empfehlung, künftig friedlich vertragen. Das Recht liess kaum etwas anderes zu. Im jungen Kanton Basel-Landschaft galt noch die Basler Ehegerichtsordnung von 1747, die Scheidungen nur aus eng begrenzten Gründen erlaubte. Der blosse Wunsch beider Ehepartner, auseinanderzugehen, genügte nicht.
Gift aus Frenkendorf
Doch Anna Maria hatte längst andere Pläne. Über den früheren Knecht Heuberger nahm sie Kontakt zu einem gewissen Stocker in Frenkendorf auf. Der gelernte Zimmermann verkaufte nebenbei Arzneimittel und galt den Behörden als Quacksalber. Von ihm verlangte sie ein Gift, das langsam töten sollte. Als Gegenleistung stellte sie ihm Goldmünzen und Mehl in Aussicht.
Stockers Mittel zeigte offenbar keine Wirkung. Er nutzte sein Wissen über den Mordplan jedoch, um Anna Maria unter Druck zu setzen. Die Müllerin griff daraufhin selbst zu gefährlichen Substanzen. Sie mischte ihrem Mann mehrfach Stoffe in Essen, Branntwein und Arzneien. Die Einzelheiten sind in den späteren Verhören dokumentiert.
Im Februar 1839 erkrankte Heinrich schwer. Er litt an Erbrechen, Durchfall und heftigen Bauchschmerzen. Sein Körper wurde schwächer, er magerte ab, schliesslich waren auch Arme und Beine von Lähmungserscheinungen betroffen. Ärzte bemühten sich um den Kranken. Die Ursache blieb zunächst verborgen.
Ein Verdacht am Krankenbett
Heinrich begann zu argwöhnen, dass seine Krankheit mit dem zusammenhing, was er daheim zu essen und zu trinken bekam. Im Mai vertraute er seinen Verdacht seinem Bruder Jakob an. Dieser wandte sich an den Bezirksstatthalter von Liestal. Die Behörden liessen Heinrich aus dem Haus bringen.
Die Rettung kam zu spät. Am 20. Mai 1839 starb der Müller. Bei der Untersuchung seines Leichnams fanden die Ärzte Hinweise auf eine Vergiftung durch metallische Stoffe. Anna Maria wurde verhaftet. Nach anfänglichem Leugnen gestand sie, ihren Mann vergiftet zu haben.
Als Beweggrund nannte sie unter anderem die verweigerte Scheidung. Hätte man die Ehe aufgelöst, erklärte sie sinngemäss, wäre es nicht so weit gekommen. Diese Aussage gehört zu den bedrückendsten Dokumenten des Falls. Das Gericht hatte die Ehe aufrechterhalten; die Entscheidung, einen Menschen zu töten, hatte Anna Maria selbst getroffen.
Noch mehr Leid in der Familie
Während die Ermittlungen liefen, rückte auch der frühere Tod einer Tochter in den Blick. Das Mädchen war Jahre zuvor plötzlich unter schweren Beschwerden gestorben. Es entstand der Verdacht einer Vergiftung, doch er liess sich nicht belegen. Anna Maria bestritt, ihrer Tochter etwas angetan zu haben.
Am 14. Juni 1839 erschoss sich der 23-jährige älteste Sohn Heinrich mit seinem Militärgewehr. Ob er Kenntnis vom Mordplan seiner Mutter gehabt hatte, konnten die Ermittler nicht mehr klären. So blieb auch dieser Teil der Familiengeschichte von Fragen überschattet.
Ein Urteil vor Tausenden
Am 6. April 1840 sprach das Kriminalgericht Anna Maria Buser schuldig und verurteilte sie zum Tod durch das Schwert. Der Landrat bestätigte das Urteil mit 51 gegen 2 Stimmen. Stocker und Heuberger erhielten langjährige Kettenstrafen.
Am 14. Mai 1840 wurde Anna Maria Buser auf dem Kasernenhof in Liestal enthauptet. Zeitgenössische Berichte sprechen von Tausenden Zuschauern. Die Hinrichtung war ein öffentliches Ereignis. Wer heute die Akten liest, erschrickt deshalb über zweierlei: über die planmässige Tötung eines Ehemanns und über eine Gesellschaft, die zur Vollstreckung des Urteils in grosser Zahl zusammenströmte.
Was der Fall über seine Zeit erzählt
Das Verbrechen von Niederschöntal ist mehr als eine düstere Familiengeschichte. Es zeigt auch, wie eng die Obrigkeit das private Leben damals reglementierte. Ein Paar, das sich gegenseitig verachtete, durfte sich nicht ohne Weiteres trennen. Die Richter konnten zum Zusammenleben verpflichten, Versöhnung aber nicht herbeibefehlen.
Damit ist die Verantwortung für den Mord keineswegs erklärt oder gemildert. Anna Maria Buser handelte überlegt und wiederholt. Doch die Frage, weshalb die Behörden zwei zerstrittene Menschen aneinanderbanden, gehört zur Geschichte dieses Falls. Erst Jahrzehnte später wurden die Möglichkeiten zur Scheidung auf Bundesebene erweitert.
Die Drahtzugmühle steht für ein Stück Baselbieter Alltagsgeschichte, in dem sich Wohlstand, Macht, Familienkonflikte und das Recht ihrer Zeit auf beklemmende Weise begegnen. Die Mühle lief, das Vermögen wuchs. Am Ende war eine ganze Familie zerbrochen.







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