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In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Was mir Luzi über die Liebe beigebracht hat
Ein Bild im Aquarellstil, das eine orangefarbene Tabbykatze namens Luzi mit weißer Brust und weißen Pfoten zeigt, die auf einem Steinvorsprung in einem grasbewachsenen Garten sitzt und inmitten von grünem Laub und einem Holzzaun im Hintergrund Liebe und Wärme ausstrahlt.

Es gibt Augenblicke im Leben, auf die man sich nie vorbereiten kann. Man weiss, dass sie eines Tages kommen werden, und doch trifft einen ihr Gewicht mit voller Wucht.

Heute musste ich meinen Luzi gehen lassen.

Neunzehn Jahre lang gehörte er zu meinem Leben. Er war da, wenn ich morgens aufstand. Er war da, wenn ich nach Hause kam. Er lag in der Sonne, schnurrte auf meinem Schoss, forderte sein Futter ein oder schaute mich einfach nur an. So selbstverständlich, dass ich mir kaum vorstellen konnte, wie sich ein Tag ohne ihn anfühlen würde.

In den letzten Tagen hatte ich gespürt, dass seine Kräfte nachliessen. Das Fressen fiel ihm schwer, das Trinken ebenso. Jeder Schritt schien ihn anzustrengen. Ich hätte ihm so gerne geholfen. Doch es gibt einen Punkt, an dem Liebe nicht mehr heisst, alles zu versuchen. Sie heisst, den eigenen Schmerz auszuhalten, damit der andere keinen mehr ertragen muss.

Heute sass ich mit Luzi auf dem Schoss in der Tierarztpraxis. Er schmiegte sich noch einmal ganz fest an mich. Als die Tierärztin die Narkose spritzte, hielt ich ihn im Arm. Er blieb ganz ruhig. Die ganze Zeit schaute er mich mit seinen grossen Augen an.

Dieser Blick wird mich wohl mein Leben lang begleiten.

In diesem Augenblick wurde mir etwas bewusst, das man mit Worten kaum beschreiben kann. Ich spürte, wie sehr mich dieses Tier liebte. Es war keine Liebe, die etwas verlangte. Keine Liebe, die Bedingungen stellte. Es war einfach Vertrauen. Reines Vertrauen.

Ich musste daran denken, wie oft ich ihn in all den Jahren gescholten hatte, wenn er wieder einmal etwas angestellt hatte. Und doch kam er wenige Minuten später wieder zu mir, als wäre nichts geschehen. Er trug nichts nach. Er kannte keinen Groll. Er verzieh einfach.

Vielleicht sind Tiere den Menschen gerade darin manchmal voraus.

Als Luzi einschlief, zerbrach etwas in mir. Gleichzeitig wusste ich, dass ich das Richtige tat. Sein Leiden war vorbei. Meines begann erst.

Zu Hause empfing mich eine ungewohnte Stille. Kein leises Tapsen auf dem Boden. Kein Schnurren. Kein neugieriger Blick, der mich an der Tür begrüsste. Sein Platz war leer.

Doch während ich durch die Wohnung ging, merkte ich, dass Liebe nicht verschwindet, wenn ein Lebewesen stirbt. Sie verändert nur ihre Gestalt.

Ich werde Luzi in tausend kleinen Augenblicken wiederfinden. In einem warmen Sonnenstrahl auf dem Boden. Im Rascheln eines Blattes vor dem Fenster. In einer Decke, auf der er so gerne geschlafen hat. Und wahrscheinlich noch oft werde ich unwillkürlich dorthin schauen, wo er immer gelegen hat.

Neunzehn Jahre sind eine lange Zeit. Fast ein Fünftel meines Lebens durfte ich sie mit diesem kleinen Kater teilen. Dafür empfinde ich heute vor allem eines: tiefe Dankbarkeit.

Danke, Luzi.

Danke für Deine Treue.

Danke für Dein Vertrauen.

Danke für die unzähligen stillen Stunden, in denen Deine Nähe mehr sagte als Worte.

Du hast mich gelehrt, dass Liebe nichts Grosses sein muss. Manchmal genügt ein Blick. Ein leises Schnurren. Oder ein Kopf, der sich ganz sanft an einen Menschen schmiegt.

Leb wohl, mein alter Freund.

Dort, wo Du jetzt bist, gibt es keine Schmerzen mehr.

Ich hoffe, die Sonne scheint warm.

Und ich hoffe, Du hast ein stilles Plätzchen gefunden, an dem Du Dich wieder zufrieden zusammenrollen kannst.

Eines Tages werden wir uns vielleicht wieder begegnen.

Bis dahin trägst Du Deinen Platz nicht mehr auf meinem Schoss.

Sondern in meinem Herzen.

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Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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