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Tag des Absinths – Die Rückkehr der Grünen Fee

Ein Schluck Geschichte, ein Hauch Verbotenes und ein bisschen Künstlerromantik – kaum ein Getränk ist so sagenumwoben wie Absinth.

Am 5. März feiern Geniesser weltweit den Tag des Absinths, eine Hommage an das legendäre Getränk, das einst die Bohème inspirierte, aber auch einen Skandal nach dem anderen auslöste.

Doch was macht Absinth so besonders? Warum wurde er fast ein Jahrhundert lang verboten? Und wie schmeckt er eigentlich?

Die Muse der Künstler – Ein Getränk mit Mythos

Absinth, eine hochprozentige Spirituose aus Wermut, Anis und Fenchel, erlangte im 19. Jahrhundert Kultstatus. Besonders in Frankreich und der Schweiz entwickelte sich ein regelrechter Absinth-Boom. Maler, Schriftsteller und Poeten liessen sich von dem grünen Elixier inspirieren – oder betäubten sich damit.

Berühmte Künstler wie Vincent van Gogh, Oscar Wilde, Henri de Toulouse-Lautrec und Ernest Hemingway waren bekennende Absinth-Liebhaber. Wilde schrieb einmal:

«Nach dem ersten Glas siehst du die Dinge, wie du sie sehen möchtest. Nach dem zweiten siehst du Dinge, die es nicht gibt. Schliesslich endest du damit, dass du Dinge siehst, wie sie wirklich sind, und das ist das Schrecklichste, was passieren kann.»

Die Wirkung des Absinths wurde lange Zeit als halluzinogen beschrieben. Der Grund? Der Inhaltsstoff Thujon, der in Wermut enthalten ist. Man glaubte, er sei für visionäre Rauschzustände verantwortlich – eine Annahme, die später wissenschaftlich widerlegt wurde.

Das Verbot – Von der Kultspirituose zur «Dämonenbrühe»

Absinth war nicht nur beliebt, sondern auch umstritten. In den frühen 1900er Jahren häuften sich Berichte über Wahnsinn, Kriminalität und gesundheitliche Schäden durch übermässigen Konsum. Der wohl berühmteste Fall war der sogenannte «Absinthe-Mord» von 1905 in der Schweiz: Ein Landarbeiter, angeblich im Absinthrausch, ermordete seine Familie.

Der Skandal führte dazu, dass Absinth 1910 in der Schweiz und 1915 in Frankreich verboten wurde. Andere Länder folgten. Doch das Verbot war nicht nur eine Gesundheitsmassnahme – es war auch ein cleverer Schachzug der Weinindustrie, die im Absinth einen gefährlichen Konkurrenten sah.

Das Comeback – Wissenschaft entzaubert den Mythos

Lange galt Absinth als verbotene Frucht, ein Relikt der Vergangenheit. Doch in den 1990er Jahren kam die Wende: Wissenschaftler fanden heraus, dass der Thujongehalt im Absinth niemals hoch genug war, um halluzinogene Effekte zu haben.

Langsam lockerten sich die Gesetze, und heute ist Absinth wieder legal – allerdings mit regulierten Thujon-Werten. Vor allem in Schweizer, französischen und tschechischen Destillerien erlebt er eine Renaissance.

Die richtige Zubereitung – Ein Ritual mit Stil

Absinth wird selten pur getrunken – traditionell erfolgt die Zubereitung nach einem ritualisierten Verfahren:

Klassische Methode (französischer Stil)

  1. Ein Absinthglas mit etwa 30 ml Absinth füllen.
  2. Einen Absinthlöffel mit einem Zuckerwürfel über das Glas legen.
  3. Langsam eiskaltes Wasser (ca. 90 ml) darüber träufeln, bis sich der Zucker auflöst.
  4. Der Absinth trübt sich milchig-weiss („Louche-Effekt“), das Aroma entfaltet sich.

Tschechische Methode (mit Flamme)

In Tschechien ist eine spektakulärere Variante beliebt:

  1. Zuckerwürfel mit Absinth tränken und anzünden.
  2. Wenn der Zucker karamellisiert ist, ihn ins Glas rühren.
  3. Mit Wasser verdünnen – aber vorsichtig, denn der Alkoholgehalt ist hoch!

Ernest Hemingway hatte seine eigene Methode: den «Death in the Afternoon» – ein Cocktail aus Absinth und Champagner.

Wo kann man heute guten Absinth probieren?

Möchtest du in die Welt des Absinths eintauchen? Hier sind einige berühmte Absinth-Destinationen:

Schweiz – Heimat des Original-Absinths, besonders im Val-de-Travers.
Tschechien – Bekannt für seine starken, ungezuckerten Varianten.
Frankreich – Produziert feinste traditionelle Absinth-Sorten.

Auch in Deutschland gibt es mittlerweile hochwertige Absinth-Brennereien.

Absinth ist zurück, aber mit Verantwortung

Der Absinth hat eine bewegte Geschichte hinter sich – von der Lieblingsspirituose der Künstler über das Verbot bis zum modernen Revival. Heute geniesst man ihn wieder, aber mit Mass und Stil.

Wenn du den Tag des Absinths am 5. März feiern möchtest, lade doch ein paar Freunde ein, probiere eine traditionelle Zubereitung – und lass dich von der Grünen Fee verzaubern. Santé!

 

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Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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