Die Adventszeit ist eine der stimmungsvollsten Zeiten des Jahres. Sie markiert nicht nur den Beginn des Kirchenjahres, sondern ist auch eine Phase der Besinnung und Vorbereitung auf Weihnachten.
Doch wo liegen die Ursprünge dieser Tradition, und wie haben sich die Bräuche im Laufe der Jahrhunderte entwickelt? Dieser Beitrag beleuchtet die historischen Hintergründe, die Bedeutung des Advents und einige der bekanntesten Bräuche.
Die Ursprünge des Advents: Eine Zeit der Erwartung
Der Begriff «Advent» und seine Bedeutung
Das Wort «Advent» leitet sich vom lateinischen «adventus» ab, was «Ankunft» bedeutet. Gemeint ist die Ankunft Jesu Christi, dessen Geburt an Weihnachten gefeiert wird. Ursprünglich war der Advent eine Zeit der Busse und Vorbereitung, vergleichbar mit der Fastenzeit vor Ostern. Diese Tradition begann sich im 4. Jahrhundert in der christlichen Kirche zu entwickeln, insbesondere in der Ostkirche, wo das Fest der Erscheinung des Herrn gefeiert wurde.
Advent als Fastenzeit
Die frühesten Hinweise auf eine adventliche Fastenzeit finden sich in Gallien und Spanien. Dort fasteten die Gläubigen in den Wochen vor Weihnachten, um sich auf das Fest vorzubereiten. Anfangs dauerte diese Zeit drei Wochen, wurde aber später auf sechs Wochen ausgeweitet. Erst im 6. Jahrhundert legte Papst Gregor I. die heutige Form des Advents mit vier Sonntagen fest. Dies galt allerdings zunächst nur für die westliche Kirche.
Die Entwicklung der Adventszeit im Laufe der Jahrhunderte
Die verbindliche Regelung im Mittelalter
Im Jahr 1038 wurde durch eine Synode im Kloster Limburg die heutige Struktur der Adventszeit offiziell festgelegt. Diese Regelung besagte, dass der erste Adventssonntag stets zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember liegen sollte. Das Konzil von Trient (1545–1563) bestätigte diese Ordnung für die westliche Kirche. In der orthodoxen Kirche hingegen blieb die sechswöchige Adventszeit bestehen, die teilweise auch als «Weihnachtsfasten» bekannt ist.
Die Wandlung von der Busse zur Besinnung
Während der Advent ursprünglich stark von Fasten und Busse geprägt war, entwickelte er sich im Laufe der Zeit zu einer Zeit der Besinnung und Freude. Diese Wandlung spiegelt sich auch in der liturgischen Farbe wider: Das Violett, das für Busse steht, wird am dritten Adventssonntag (Gaudete-Sonntag) durch ein rosafarbenes Gewand ersetzt, das die Freude über die nahe Ankunft Christi symbolisiert.
Die Bedeutung der Adventszeit
Die Adventszeit ist nicht nur eine Vorbereitung auf Weihnachten, sondern auch eine Zeit der Erwartung. Sie erinnert an die Erwartung der Geburt Christi ebenso wie an die Hoffnung auf dessen Wiederkunft. Diese doppelte Perspektive macht den Advent zu einer einzigartigen Phase im Kirchenjahr.
Eine Zeit der Reflexion und Stille
Für viele Gläubige ist der Advent eine Zeit der inneren Einkehr. In einer Welt, die oft von Hektik und Konsum geprägt ist, bietet der Advent eine Gelegenheit, innezuhalten und sich auf die wesentlichen Dinge zu besinnen.
Liturgische Feierlichkeiten
Im Zentrum der adventlichen Liturgie stehen die vier Sonntage, die jeweils ein anderes Thema behandeln, etwa Hoffnung, Frieden, Freude und Liebe. Die Lesungen und Gebete der Adventszeit laden dazu ein, sich auf die Botschaft des Evangeliums zu konzentrieren.
Bekannte Bräuche und Symbole des Advents
Der Adventskranz
Der Adventskranz ist eines der bekanntesten Symbole der Adventszeit. Er wurde im 19. Jahrhundert von dem Hamburger Theologen Johann Hinrich Wichern eingeführt, der damit den Kindern in seinem Heim die Wartezeit auf Weihnachten verkürzen wollte. Ursprünglich bestand der Kranz aus 24 Kerzen, eine für jeden Tag im Dezember. Heute hat er meist nur vier Kerzen, die an den Adventssonntagen angezündet werden.
Der Adventskalender
Der Adventskalender, ein weiterer beliebter Brauch, entstand ebenfalls im 19. Jahrhundert. Ursprünglich malten Familien 24 Striche an die Wand oder eine Tür, die die Kinder jeden Tag abwischen konnten. Später kamen gedruckte Kalender mit kleinen Türchen hinzu, die Schokolade oder Bilder enthielten. Heute gibt es Adventskalender in unzähligen Varianten, von Spielzeug bis zu Luxusartikeln.
Die Rorate-Messen
Rorate-Messen, die in der Adventszeit frühmorgens bei Kerzenschein gefeiert werden, gehören zu den ältesten adventlichen Bräuchen. Sie laden dazu ein, die Dunkelheit der frühen Morgenstunden als Symbol für die Erwartung des Lichtes Christi zu erleben.
Adventslieder
Adventslieder wie «Maria durch ein Dornwald ging» oder «Macht hoch die Tür» begleiten die liturgischen Feiern und tragen zur festlichen Atmosphäre bei. Diese Lieder sind oft älter als die modernen Weihnachtslieder und betonen die Themen Erwartung und Hoffnung.
Der Advent in der heutigen Zeit
In der modernen Welt hat sich die Adventszeit weit über ihre religiösen Wurzeln hinaus entwickelt. Für viele Menschen ist sie eine Zeit der Vorfreude auf Weihnachten, geprägt von Weihnachtsmärkten, Geschenken und Familientreffen. Diese weltlichen Aspekte haben ihren Ursprung in christlichen Traditionen, stehen aber heute oft im Vordergrund.
Advent und Konsum
Die Adventszeit ist auch eine der konsumreichsten Zeiten des Jahres. Viele kritisieren, dass die ursprüngliche Besinnlichkeit und Spiritualität des Advents durch Kommerz verdrängt wurden. Dennoch suchen viele Menschen gerade in dieser Zeit nach Möglichkeiten, die Hektik zu entschleunigen und die ursprüngliche Bedeutung der Adventszeit wiederzuentdecken.
Advent als kulturelles Phänomen
Der Advent hat sich zu einem kulturellen Phänomen entwickelt, das weit über den kirchlichen Kontext hinausgeht. Adventsfeiern, -konzerte und -märkte sind heute in vielen Ländern feste Bestandteile der Vorweihnachtszeit.
Der Advent als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Die Adventszeit ist eine der reichsten und bedeutungsvollsten Traditionen des Christentums. Ihre Ursprünge liegen in einer Zeit der Busse und Vorbereitung, doch heute ist sie vor allem eine Zeit der Besinnung und Vorfreude. Die Bräuche und Symbole des Advents, von Adventskranz bis Adventskalender, verbinden uns mit einer jahrhundertealten Geschichte und laden dazu ein, die wahre Bedeutung von Weihnachten zu entdecken.
Literaturhinweise
- Braun, Joachim: Die Geschichte des Advents. Freiburg: Herder, 2018.
- Schmidt, Hans: Advent und Weihnachten in der Liturgiegeschichte. München: Kösel, 2005.
- Weber, Ulrike: Bräuche und Rituale der Vorweihnachtszeit. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2013.
- Karrer, Eva: Die Symbolik des Adventskranzes. Basel: Schwabe, 2016.
Mit diesen Quellen kannst Du weiter in die faszinierende Welt der Adventszeit eintauchen und ihre Ursprünge sowie ihre Bedeutung noch tiefer verstehen.







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