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In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Als der Hollimarti im Winter Besen machte
Eine ältere Person mit Mütze und Jacke sitzt an einem Holztisch und hält zwei handgefertigte Besen in der Hand. Das sepiafarbene Foto, das von oben aufgenommen wurde, erinnert an die Stille des Winters und hebt die Texturen des Holzes und der Besen hervor.

Früher gehörte das Besenmachen auf den Bauernhöfen zum Winter wie der Rauch zum Kamin. Wenn draussen Raureif an den Zäunen hing und die Felder still dalagen, gab es auf einem Hof immer noch genug zu tun. Und zu diesen Winterarbeiten gehörte auch das Binden von Reisigbesen.

Einer, der das verstand, war der «Hollimarti» in unserem Dorf.

Eigentlich hiess er Herr Schweizer. Aber niemand sagte Herr Schweizer. Für uns Kinder war und blieb er einfach der Hollimarti. Er war ein stattlicher Bauer, breit gebaut und von gemütlichem Wesen. Wenn er auf seinem Traktor sass und mit der Tabakpfeife im Mund ins Tal hinaus tuckerte, hatte man nie das Gefühl, dass er irgendwohin pressieren müsse.

Im Winter durfte ich manchmal bei ihm im Schopf stehen und zuschauen. Draussen war es kalt, und wenn man die Tür öffnete, kam einem die Winterluft entgegen. Drinnen roch es nach Holz, Heu und Erde. An einer Wand lehnten Bündel von Birkenreisig. Daneben lagen Haselstangen für die Stiele. Der Hollimarti hatte das Reisig nicht irgendwann geschnitten, sondern zur rechten Zeit. Denn beim Reisig kommt es auf den Saftstand an. Steht zu viel Saft im Holz, sind die Ruten nass, weich und anfällig. Sie können beim Trocknen schimmeln, sich verziehen oder brechen. Sind sie zu trocken, werden sie spröde und splittern.

Darum schnitt man Reisig gerne im Winter, wenn der Baum in der Saftruhe ist. Dann sind die Ruten weniger feucht, aber noch zäh und biegsam. Genau so musste gutes Besenreisig sein: fest genug, um zu halten, und elastisch genug, um beim Binden nicht zu brechen.

Alte Leute behaupteten sogar, zwischen Weihnachten und Dreikönig geschnittenes Reisig gebe besonders gute Besen. Ob das immer stimmte, weiss ich nicht. Aber es zeigt, wie genau man früher auf den richtigen Zeitpunkt achtete.

Der Hollimarti nahm ein Bündel zur Hand und prüfte die Zweige mit einem kurzen Blick.
«Das git e guete», sagte er jeweils.

Dann legte er die langen Ruten nebeneinander, drehte einzelne heraus, schob andere wieder hinein und ordnete alles mit wenigen Handgriffen. Es sah aus, als hätte er das nie anders gemacht. Erst später wurde mir klar, wie viel Erfahrung in diesen einfachen Bewegungen steckte.

Denn ein guter Besen entstand nicht zufällig.

Zu kurze Ruten taugten nichts. Zu dicke ebenfalls nicht. Die Zweige mussten biegsam sein und ungefähr dieselbe Länge haben. Für feinere Besen nahm man oft Birke. Sie wischte weich und breit. Für gröbere Arbeiten im Stall verwendete man kräftigeres Material.

Wenn der Bund richtig zusammenlag, zog ihn der Hollimarti fest zusammen und band ihn sorgfältig ab. Danach richtete er den Haselstiel zu und setzte ihn ein.
Dabei sprach er nicht viel. Nur manchmal nahm er die Pfeife kurz aus dem Mund und sagte etwas, das damals beiläufig klang und erst viel später hängen blieb.

«Wenn’s pressiert, wird’s nüt.»

Dann arbeitete er weiter.

Es war erstaunlich, wie selbstverständlich solche Dinge damals zum Leben gehörten. Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, einen Besen zu kaufen. Der Besen kam vom eigenen Land. Man verwendete, was die Umgebung hergab. Und wenn einer kaputtging, wurde eben ein neuer gemacht.

Heute steht der Besen im Laden zwischen Putzmitteln und Plastikeimern. Man nimmt ihn aus dem Regal, bezahlt und denkt nicht weiter darüber nach.

Damals sass der Hollimarti im Winter im Schopf, hatte seine Pfeife im Mund und machte aus ein paar Zweigen etwas, das auf jedem Hof gebraucht wurde.

Und wenn genug Besen beieinanderlagen, klopfte er die Hände aneinander, schaute auf seine Arbeit und sagte mit ruhiger Selbstverständlichkeit:

«So. Jetz isch gnue.»

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Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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