Es gibt Jahre, die kommen nicht wie ein Paukenschlag. Eher wie ein Licht, das plötzlich heller gestellt wird. Man merkt es daran, dass man weniger Geduld hat für alles, was halbherzig ist. Dass man schneller spürt, wo man sich selbst ausweicht. Und dass man manchmal – ohne grossen Plan – den Drang hat, sich zu zeigen: mit dem, was man kann, aber auch mit dem, was man ist.
In der chinesischen Astrologie liest man solche Zeitqualitäten mit Bildern: Elementen, Tierzeichen, Zyklen. Das ist keine Naturwissenschaft, eher eine Deutungskarte. Als Wegweiser taugt es mir nicht. Als Spiegel schon: Es zeigt, wo ich gerade stehe.
Ab Dienstag, 17. Februar 2026 beginnt mit dem chinesischen Neujahr das Feuerpferdjahr. Es dauert bis Freitag, 5. Februar 2027 (am 6. Februar 2027 startet dann das nächste chinesische Jahr).
Ich sage das so genau, weil wir im Westen beim Wort «Jahr» automatisch an den 1. Januar denken. In diesem Kalender kippt das Jahr mitten im Winter.
Seit 2024 wird in bestimmten Feng-Shui-Schulen (Xuan Kong / Flying Stars) ausserdem von einer neuen 20-Jahres-Phase gesprochen, der Periode 9, die dem Element Feuer zugeordnet wird (ungefähr 2024 bis 2043/2044).
Wenn man das als Bild nimmt, dann ist Feuer nicht die Energie des «Aufbauens und Absicherns», sondern des Sichtbarwerdens und Wandelns. Feuer hält wenig von Tarnung. Es will Klarheit. Und es beleuchtet auch das, was man lieber im Halbdunkel lassen würde.
Und genau da wird 2026 spannend: Dieses Jahr trägt im 60er-Zyklus den Namen «Bing-Wu» – Yang-Feuer über dem Pferd. Viele sprechen deshalb von «doppeltem Feuer»: oben Feuer, unten Feuer.
Yang-Feuer ist nicht das gemütliche Kaminfeuer. Eher eine Sonne um die Mittagszeit: direkt, wach, manchmal gnadenlos ehrlich. Das Pferd bringt Tempo, Freiheitsdrang, Vorwärtsenergie. Es ist eine wunderbare Kraft, aber sie verlangt Führung. Sonst wird aus Freiheit schnell Getriebenheit.
Was kann das im Alltag heissen?
Ich würde sagen: 2026 begünstigt alles, was echt ist. Nicht unbedingt das Laute, nicht die Pose, nicht den Trick. Sondern den Ausdruck, der stimmt. Wer kreativ arbeitet, schreibt, gestaltet, berät, führt oder ein Projekt trägt, das aus innerer Notwendigkeit entsteht, kann in so einem Jahr Rückenwind spüren. Feuer liebt Präsenz. Es liebt Ausstrahlung. Es liebt Menschen, die nicht dauernd nach Erlaubnis fragen.
Aber Feuer ist nicht einfach «gut». Feuer ist vor allem: verstärkend.
Darum liegen die Fallen nahe. Die häufigste heisst Überhitzung: zu viele Baustellen, zu wenig Schlaf, zu wenig Stille. Das Pferd will rennen, und wenn du keinen Rhythmus hast, rennst du mit – bis du merkst, dass du dich nicht befreit, sondern verbraucht hast. Die zweite Falle ist Zerfaserung: viele Ideen, viele Reize, viele Einladungen. Aussen sieht es nach Bewegung aus, innen fühlt es sich manchmal nach Leere an. Und die dritte ist vielleicht die heikelste: Sichtbarkeit ohne innere Standfestigkeit. Wenn du dich zeigst, kommt Resonanz. Nicht nur Applaus. Wer sich nur mit Maske erträgt, wird in einem Feuerjahr schneller müde.
Darum mag ich für das Feuerpferdjahr drei einfache, bodenständige Regeln. Keine Magie. Eher Handgriffe, wie man ein Feuer hütet:
Erstens: Folge dem, was dich lebendig macht.
Nicht dem, was Eindruck macht. Lebendigkeit ist oft der präziseste Kompass. Wo es in dir warm wird, ist meistens mehr Wahrheit als dort, wo es nur glänzt.
Zweitens: Sag Nein zu Kraftfressern.
Alles, was dauerhaft eng, leer oder kraftlos wirkt, wird 2026 teurer. Nicht in Geld, sondern in Energie. Und Energie ist in einem Feuerjahr die eigentliche Währung.
Drittens: Zeig dich mit Herz, nicht mit Maske.
Das ist kein Aufruf zur Beichte. Es ist eine Frage der Haltung: Wenn du sichtbar wirst, dann so, dass du dich danach nicht verraten musst. Echtheit ist selten spektakulär. Aber sie ist spürbar.
Vielleicht ist das der Kern: 2026 ist keine Einladung zu blindem Aktionismus. Es ist eine Einladung zu bewusstem Ausdruck. Nicht «mehr tun», sondern stimmiger werden. Nicht lauter, sondern klarer.
Und weil wir jetzt noch vor dem 17. Februar 2026 stehen: Die Zeit bis dahin eignet sich gut zum Aufräumen. Offene Fäden schliessen. Ballast loslassen. Einen Rhythmus finden, der dich nicht verbrennt, wenn das Tempo anzieht. Wer das tut, hat im Feuerjahr weniger Rauch und mehr Wärme.
Wenn du am Schluss nur einen Satz mitnehmen willst, dann vielleicht diesen:
Feuer macht nicht automatisch erfolgreich. Feuer macht sichtbar, was schon da ist.
Und manchmal ist genau das eine Gnade: dass man aufhört, sich im Nebensächlichen zu verstecken, und wieder Boden unter die eigenen Schritte bekommt.







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