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In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Die Uhr im Schaufenster
Ein Mann repariert sorgfältig eine Taschenuhr an einer hölzernen Werkbank, umgeben von Uhrenteilen und Werkzeugen, während im Hintergrund Sonnenlicht durch ein Schaufenster fällt.

Als der junge Uhrmacher seine erste Taschenuhr fertiggestellt hatte, stellte er sie voller Stolz ins Schaufenster seiner kleinen Werkstatt.

Sie war schlicht. Das Gehäuse aus Silber, das Zifferblatt weiss, die schwarzen Zeiger fein wie Tannennadeln. Wochenlang hatte er an ihr gearbeitet. Nun blieb er auf der anderen Strassenseite stehen und betrachtete sie.

Am Nachmittag öffnete sich die Tür.

Ein älterer Herr trat ein, nahm die Uhr in die Hand und nickte anerkennend.

«Saubere Arbeit. Schade nur, dass Sie arabische Zahlen verwendet haben. Römische würden ihr mehr Würde verleihen.»

Der Uhrmacher bedankte sich.

Am Abend wechselte er das Zifferblatt.

Zwei Tage später kam ein Lehrer vorbei.

Er drehte die Uhr in den Händen und meinte: «Römische Zahlen? Die Zeit soll man auf einen Blick erkennen. Arabische wären praktischer.»

Also fertigte der Uhrmacher ein neues Zifferblatt an.

Eine Dame fand das silberne Gehäuse zu kühl.

Ein Kaufmann hätte lieber Gold gesehen.

Der Pfarrer vermisste einen feinen Zierrand.

Ein Architekt lobte gerade ihre Schlichtheit.

Mit jedem Besucher veränderte sich die Uhr ein wenig.

Mal waren es nur die Zeiger.

Mal das Gehäuse.

Mal die Form der Krone.

Nichts davon war ein grosser Eingriff. Aber am Ende war von der ersten Uhr kaum mehr etwas übrig.

Eines Abends nahm der Uhrmacher sie aus dem Schaufenster.

Er setzte sich an seine Werkbank und legte sie vor sich hin.

Lange sagte er nichts.

Dann öffnete er eine Schublade, holte eine kleine Holzkiste hervor und legte die Uhr hinein.

Am nächsten Morgen begann er von vorn.

Wieder entstand eine silberne Taschenuhr.

Mit einem weissen Zifferblatt.

Und Zeigern, fein wie Tannennadeln.

Als sie fertig war, stellte er sie erneut ins Schaufenster.

Ein älterer Mann blieb stehen, betrachtete sie eine Weile und trat schliesslich in die Werkstatt.

«Ist das dieselbe Uhr wie neulich?»

Der Uhrmacher lächelte.

«Nein.»

Der Mann nickte langsam.

«Merkwürdig», sagte er. «Sie sieht fast gleich aus.»

Der Uhrmacher nahm die Uhr in die Hand.

Er strich mit dem Daumen über ihr Gehäuse.

«Fast.»

Mehr sagte er nicht.

 

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Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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