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In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Als Wärme noch Arbeit machte
Ein Junge mit Brille und blauem Hemd kniet im Freien und hackt mit einer Axt ein kleines Holzstück auf einem Baumstumpf - er lernt die Grundlagen des Heizens mit Holz. In der Nähe liegt ein Stapel gespaltenes Brennholz; im Hintergrund sind üppige Bäume und Grünpflanzen zu sehen.

Holz war nicht nur Brennstoff. Es war Alltag.

Früher hat man nicht mit Holz geheizt, weil es hübsch knisterte. Sondern weil man sonst gefroren hätte.

Heizen war eine Kunst.
Man musste sie können.
Und wer sie konnte, hatte es warm.

Bis Ende der 1960er Jahre wärmten wir unser Haus mit Holz, Kohle und Briketts. Im Flur stand der Warmluftofen. Er war kein Schmuckstück. Aber er tat seine Arbeit. Er heizte die Stube. Und durch Klappen auch die anderen Zimmer. Wenn es trotzdem zog, öffnete man die Türen. Dann wanderte die Wärme von Zimmer zu Zimmer, wie ein Hund, der es allen recht machen will.

Und glaube mir: selbst die bissigste Winterkälte hatte keine Chance.

Das Brennmaterial war fester Teil unseres LebensIn Oberdorf hatten wir als Bürger das Recht auf sogenanntes «Gabholz». Ein schönes Wort. Es bedeutete: Holz vom Gemeindewald. Geliefert in Meterstücken. Vergünstigt. Und für uns unverzichtbar.

Die Stämme waren gut einen Meter lang. Zuerst musste man sie sägen. Dann spalten. Ich sehe sie noch vor mir: die riesige Kreissäge der Gemeinde. Ohne Schutzvorrichtung. Ohne Netz und doppelten Boden. Sie schwang und zischte, als wolle sie jeden Augenblick einen Finger verschlucken. Bedient wurde sie von «Althus-Kari» und später von «Chrättli-Max». Sie sahen der Säge nie von der Seite ins Maul. Immer von vorne. Und mit Respekt.

Meine Aufgabe war das Spalten. Keine leichte Arbeit. Aber sie machte stolz. Mit jedem Schlag wuchs der Holzstapel. Und vielleicht auch meine Muskeln. Hinter dem Haus schichtete ich die Scheite auf. Mein Vater zeigte mir, wie man stapelt, damit das Holz trocknet. Er war pingelig. Und er hatte recht. Gutes Brennholz braucht Zeit. Ein bis drei Jahre.

Wir machten den Klangtest: zwei Scheite gegeneinander. Klang es dumpf, war’s noch grün. Klang es hohl, war’s bereit. Das war unser kleines Konzert.

Neben dem Holz lagerten wir Kohlen und Briketts. Unter der Eingangstreppe war der Kohlekeller. Dort lieferte «Chohle-Gysi» die schweren Säcke ab. Meine Aufgabe war es, die Kohlen in den ersten Stock zu schaffen. Dafür gab es die Kohlenschütte. Sie sah aus wie eine Schaufel mit Deckel. Und sie tat, was sie sollte: Sie brachte Kohlen in den Ofen, ohne dass das ganze Haus schwarz wurde. Oder jedenfalls nicht ganz.

Natürlich war das alles mühsam. Aber es war auch ein Stück Familienleben. Mein Vater und ich machten es zusammen. Und so wurde es weniger Last und mehr Gewohnheit. Eine, die zusammenschweisste.

Dann zogen die modernen Zeiten ins Dorf ein. Die Zeit der Ölheizungen. Plötzlich heizten die Nachbarn modern. Sie drehten an einem Knopf. Und es wurde warm. Fertig.
Ich schämte mich fast für unseren Holzofen. Meine Schulkameraden lachten über unser «altmodisches» Heizen. Ich wollte meinen Vater überreden, umzusteigen. Aber er blieb standhaft.

«Das Öl kommt von weit her», sagte er. «Den Wald kenne ich.»
Damit war alles gesagt.

Holz macht Arbeit.
Öl macht abhängig.

So sah er es. Und er hatte wohl recht.

Das Heizen mit Holz war eben nicht nur Alltag. Es war eine kleine Wissenschaft. Vom richtigen Stapeln bis zum Klang der Scheite. Heute mag das altmodisch wirken. Damals war der Ofen das Herz des Hauses.

Heute, viele Jahrzehnte später, verschwindet die Ölheizung wieder. Wärmepumpen übernehmen. Sie sind leise. Effizient. Aber sie sind auch langweilig. Sie brummen. Sonst nichts. Kein Knistern. Kein Flammenschein. Kein Rauch, der nach Holz riecht.

Es scheint, die Zeiten drehen sich im Kreis. Erst Holz. Dann Öl. Jetzt Strom.
Nur der Wunsch bleibt gleich: eine warme Stube.

Und vielleicht – man weiss es nicht – werden unsere Enkel eines Tages lächeln, wenn sie von unseren Wärmepumpen hören. So wie meine Schulkameraden über unseren Holzofen gelacht haben.

Denn die Dinge ändern sich.
Und bleiben doch immer gleich.

 

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Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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