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In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Langenbruck im Spiegel einer Geschichte
Ein sonnenbeschienener Raum in Langenbruck mit einem großen hölzernen Webstuhl, einem Spinnrad und einem mit gefaltetem Stoff bedeckten Tisch erzählt die Geschichte des traditionellen Handwerks. Holzböden, Balken, Körbe und ein kleines Fenster vervollständigen die gemütliche Szene.

Jeremias Gotthelf ist ein Name, der nach Erde klingt. Nach Ackerfurchen, nach Stallluft, nach dem langsamen Schritt eines Mannes, der weiss, was es heisst, täglich aufzustehen und sich der Welt zu stellen. Seine Figuren gehören ins Emmental, dorthin, wo der Boden schwer und der Mensch noch schwerer tragen muss, was ihm auferlegt ist.

Umso auffälliger ist es, dass eine seiner eindrücklichsten Erzählungen im Baselbiet spielt.

Diese Geschichte spielt fern von Kühen und Miststock.
Sie gehört an den Webstuhl, zu den Warenballen und in die Stuben der Posamenter. Zwischen Dorf und Stadt. Zwischen Mangel und Hoffnung.

«Hans Jakob und Heiri oder die beiden Seidenweber» ist kein literarischer Ausflug in fremdes Gelände. Es ist eine bewusste Hinwendung zu einer Landschaft, in der sich der Wandel ankündet. Im 19. Jahrhundert war das Baselbiet ein Landstrich im Übergang. Die Menschen lebten noch im Dorf, doch ihr Auskommen hing längst von der Stadt ab. Seide kam aus fernen Ländern, der Lohn aus Basel, die Arbeit aus der Stube. Der Alltag war kein bäuerlicher Rhythmus mehr, sondern ein zerrissener Takt zwischen Abhängigkeit und Eigenständigkeit.

Gotthelf sah das.

Er erkannte, dass hier eine neue Art von Dorf entstand:
keines mehr aus Holz und Stall,
sondern eines aus Verträgen, Schulden und Hoffnungen.

Der äussere Anlass zu dieser Erzählung war nüchtern. Im Winter 1850 schrieb der Pfarrer von Langenbruck an Gotthelf. Die Gemeinde hatte eine Ersparniskasse gegründet, ein damals noch ungewohntes Unternehmen. Man wollte, dass die Leute Vertrauen fassten – zum Sparen, zum Haushalten, zu einem vorsichtigen Umgang mit dem, was man sich mühsam erarbeitete. Dazu suchte man keine Predigt, sondern eine Geschichte. Und man wusste sehr genau, wem man diese anvertrauen musste.

Gotthelf sagte zu.

Er tat das, was er immer tat: Er nahm die Realität ernst. Er sprach mit Fachleuten, las volkswirtschaftliche Texte, liess sich von Baslern erklären, wie dieses neue System funktionierte. Unter anderem stützte er sich auf Schriften des Bankdirektors J. J. Speiser, der das Sparkassenwesen aus wirtschaftlicher Sicht erläutert hatte.

Doch daraus entstand kein Unterrichtsbüchlein. Es entstand eine Erzählung über Lebenswege.

Hans Jakob und Heiri sind zwei junge Männer, die denselben Weg gehen könnten – und doch in entgegengesetzte Richtungen geraten. Der eine lebt über seine Verhältnisse, folgt Versprechen, läuft falschen Hoffnungen nach. Der andere bleibt im Dorf, vertraut auf Arbeit, auf kleine Schritte, auf den langen Atem. An ihrer Seite Frauen, deren Einfluss stärker wirkt als jedes Wort: Die eine treibt an, die andere hält zusammen.

So wird das Baselbiet bei Gotthelf zum Ort der Entscheidung.

Hier zeigt sich, was der Mensch aus sich macht,
wenn das Leben schneller wird,
wenn das Geld lockt,
wenn die Stadt ruft.

Die Ersparniskasse erscheint leise in diesem Gefüge. Ein Sparschein taucht als Taufgeschenk auf. Misstrauen liegt zuerst in der Luft. Man kennt fremde Einrichtungen nicht, man fürchtet Verlust, Arglist, Täuschung. Doch langsam wächst Vertrauen. Die Menschen beginnen, ihr Weniges beiseitezulegen. Aus diesem Wenigen entsteht Halt.

Und mit diesem Halt verändert sich das Dorf.

Gotthelf beschreibt diesen Wandel mit wenigen, eindringlichen Worten:
Mehr Ordnung in den Häusern.
Mehr Sauberkeit in den Stuben.
Mehr Ruhe in den Entscheidungen.

Das ist keine Wirtschaftstheorie.
Das ist Lebenskunst.

Die Geschichte wirkte auch ausserhalb der Seiten. Die Ersparniskasse wuchs. Jahrzehnte später zählte sie hunderte Einleger, das Kapital ging in kirchliche und kulturelle Zwecke über, in Schulen und Gemeinwerke.

Das Buch war kein Auslöser.
Aber es war ein Begleiter.

Und vielleicht ist genau das entscheidend:
Gotthelf schrieb nicht, um zu führen.
Er schrieb, um sichtbar zu machen.

Er ging ins Baselbiet, weil hier sichtbar wurde,
was andernorts erst kommen sollte:
Die Loslösung vom Boden.
Die Abhängigkeit vom Geld.
Der leise Verlust alter Sicherheiten.

Er erkannte diese Landschaft als eine kleine Vorstufe unserer Welt.

Darum liest sich diese Geschichte heute noch so gegenwärtig.

Sie handelt nicht von Seide.
Sie handelt vom Ringen um Standfestigkeit.

Sie handelt nicht von Banken.
Sie handelt vom Versuch, im Leben Ordnung zu schaffen.

Und sie zeigt uns das Baselbiet als das, was es damals war:
Ein Land im Übergang.
Ein Tal zwischen gestern und morgen.
Ein Ort, an dem sich entschied, ob der Mensch trägt – oder getragen werden muss.

 

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Über

Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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