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In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Die Liebe und das Eigentum
Ein Aquarell eines Vogels, der bei Sonnenaufgang frei in einen hellen Himmel fliegt, mit einem offenen Vogelkäfig auf einem Steinsims - ein automatisch gespeicherter Entwurf - mit Blick auf ein malerisches, nebliges Tal und ferne Hügel.

Früher standen in vielen Stuben Vitrinen. Dahinter bewahrte man auf, was einem lieb und wertvoll war. Das gute Geschirr, das Silberbesteck, Erinnerungsstücke aus vergangenen Jahren. Dinge, die man nicht täglich brauchte und gerade deshalb schätzte.

Der Mensch sammelt gerne. Er umgibt sich mit Dingen, die ihm gehören. Das Haus, der Garten, das Feld hinter dem Dorf, der Obstbaum am Wegrand. Vielleicht steckt in uns ein alter Wunsch, der Welt einen kleinen Stempel aufzudrücken und sagen zu können: Das ist mein.

Merkwürdig wird es erst, wenn dieser Wunsch die Menschen erreicht.

Denn Menschen sind keine Gegenstände. Sie lassen sich nicht in Schubladen legen und nicht hinter Glas aufbewahren. Dennoch versuchen wir es immer wieder.

Kaum haben sich zwei gefunden, beginnt oft ein leises Festhalten. Es geschieht selten aus Bosheit. Eher aus Angst. Aus der Sorge, das Wertvolle wieder zu verlieren. Was uns wichtig geworden ist, möchten wir bewahren. Was wir lieben, möchten wir in unserer Nähe wissen.

Und so wächst aus der Liebe manchmal etwas, das ihr gar nicht ähnlich sieht.

Das kleine Wort «mein»

Man spricht von «meiner Frau», «meinem Mann», «meiner Freundin» oder «meinem Freund». Das ist zunächst harmlos. Die Sprache kennt kaum andere Wörter dafür. Sie macht aus Nähe Besitz, ohne dass wir es merken.

Manchmal bleibt es jedoch nicht bei den Worten.

Dann beginnt man Ansprüche anzumelden.

Wo gehst du hin?

Mit wem hast du gesprochen?

Warum hast du nicht angerufen?

Weshalb erzählst du dieser Person Dinge, die du mir nicht erzählst?

Plötzlich sitzt ein kleiner Buchhalter in der Beziehung und führt über alles genau Buch.

Wer hat wie viel gegeben?

Wer hat wie viel zurückbekommen?

Wer schuldet wem Aufmerksamkeit?

Wer schuldet wem Zeit?

Es ist erstaunlich, wie rasch aus Zuneigung eine Art Besitzanspruch werden kann.

Der Wunsch, andere zu formen

Dabei weiss jeder Mensch aus eigener Erfahrung, wie schwer es wird, wenn andere über ihn verfügen wollen. Kinder erleben es bei ihren Eltern. Eltern später bei ihren erwachsenen Kindern. Mitarbeitende bei Vorgesetzten. Vereinsmitglieder bei Funktionären.

Der Wunsch, andere zu formen, begleitet die Menschheit vermutlich schon seit den Höhlenzeiten.

Die Liebe macht davor keinen Halt.

Man verliebt sich in einen Menschen, wie er ist. Einige Jahre später ist man unzufrieden, weil er nicht so geworden ist, wie man ihn gerne hätte.

Der andere hat sich verändert.

Oder schlimmer noch: Er ist sich selber treu geblieben.

Ein eigenes Land

Mit den Jahren drängt sich ein Gedanke immer wieder auf: Liebe und Eigentum sprechen nicht dieselbe Sprache. Wo das eine wachsen will, zieht das andere oft Grenzen.

Ein Mensch ist kein Haus, das man kauft.

Kein Auto, das einem gehört.

Kein Möbelstück, das man nach Belieben umstellt.

Er bleibt immer ein eigenes Land. Mit eigenen Wegen, verborgenen Quellen, alten Wäldern und Gegenden, die auch der vertrauteste Mensch nie ganz betreten wird.

Vielleicht besteht die Kunst des Zusammenlebens darin, den anderen nicht ständig in Besitz nehmen zu wollen.

Ihn nicht dauernd zu korrigieren.

Nicht fortwährend an ihm herumzuschleifen.

Nicht jede Abweichung als Angriff zu verstehen.

Das klingt einfacher, als es ist.

Die Angst hinter dem Festhalten

Denn Liebe weckt auch Ängste. Die Angst, verlassen zu werden. Die Angst, nicht mehr wichtig zu sein. Die Angst, ersetzt zu werden. Aus diesen Ängsten wächst oft das Bedürfnis, den anderen festzuhalten.

Doch was festgehalten wird, verändert seine Gestalt.

Wer einen Vogel um seiner Schönheit willen in einen Käfig sperrt, besitzt ihn zwar. Sein Flug aber gehört ihm nicht mehr.

So kann es auch mit Menschen gehen.

Man kann jemanden an sich binden. Durch Pflicht, Gewohnheit, Schuldgefühl oder Abhängigkeit. Man kann ihn in der Nähe behalten und doch verlieren, was ihn lebendig gemacht hat.

Was bleibt

Am Ende bleibt vielleicht nur eine einfache Erkenntnis:

Wer einen Menschen liebt, dem gehört er nicht.

Gerade darin liegt sein Wert.

Die Liebe, die bleiben darf, ist kostbarer als die Liebe, die bleiben muss.

 

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Über

Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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