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In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Die Sehnsucht nach dem Retter
Eine Person steht auf einem Bergpfad und blickt auf einen farbenfrohen Sonnenaufgang über fernen Hügeln und einem spiegelnden See - eine heitere Landschaft im Aquarellstil, die an Die Sehnsucht nach dem Retter unter weichen, verstreuten Wolken erinnert.

Es gehört zu den ältesten Träumen der Menschheit, gerettet zu werden.

Seit Jahrtausenden warten Menschen auf jemanden, der kommt und Ordnung schafft. Auf einen Helden, einen König, einen Heiligen, einen Propheten. Auf einen Menschen, der die Verwirrung beendet, die Last von den Schultern nimmt und den Weg weist.

Die Namen wechseln. Die Sehnsucht bleibt.

Früher hoffte man auf den Messias. Heute wartet man auf andere Retter. Auf Politiker, die alle Probleme lösen. Auf Experten, die für jede Frage eine Antwort bereithalten. Auf Gurus, Coaches und Ratgeber. Auf neue Technologien. Auf den grossen Durchbruch, der das Leben endlich einfacher macht.

Doch je länger man lebt, desto deutlicher zeigt sich eine unbequeme Wahrheit: Kein Mensch kann das Leben eines anderen leben.

Rat kann helfen. Freundschaft kann tragen. Liebe kann heilen. Aber den Weg gehen muss jeder selbst.

Wenn die Hoffnung auf den Retter verblasst

Vielleicht beginnt das Erwachsenwerden genau dort, wo die Hoffnung auf den Retter langsam verblasst.

Das klingt ernüchternd. Und doch liegt darin eine grosse Freiheit.

Viele Enttäuschungen entstehen aus Erwartungen. Wir hoffen, jemand möge uns verstehen, ohne dass wir uns erklären müssen. Jemand möge unsere Unsicherheit beseitigen. Jemand möge die Entscheidungen treffen, die wir selbst scheuen. Jemand möge unserem Leben Sinn verleihen.

Doch kein Mensch besitzt diesen Schlüssel.

Wer ihn bei anderen sucht, macht sich abhängig. Wer ihn in sich selbst sucht, betritt einen stilleren, schwierigeren Weg. Einen Weg ohne Versprechungen und Garantien.

Verantwortung ist eine Form von Freiheit

Dieser Weg verlangt Verantwortung.

Verantwortung ist kein besonders beliebtes Wort. Es klingt nach Pflicht, Last und Verzicht. Dabei gehört Verantwortung zu den kostbarsten Formen der Freiheit.

Denn in dem Augenblick, in dem ein Mensch die Verantwortung für sein Leben übernimmt, entdeckt er etwas Überraschendes: Er ist den Umständen nicht mehr völlig ausgeliefert.

Die Vergangenheit bleibt, was sie war. Das Schicksal lässt sich nicht immer beeinflussen. Krankheit, Verlust und Enttäuschung gehören zum Leben. Doch die Haltung gegenüber diesen Dingen entsteht im Inneren.

Dort beginnt die eigentliche Freiheit.

Die Frage, die eine Tür öffnet

Manche Menschen verbringen ihr ganzes Leben damit, nach Schuldigen zu suchen. Die Eltern waren schuld. Die Gesellschaft war schuld. Die Politik war schuld. Die Kollegen waren schuld. Vielleicht trifft vieles davon sogar zu.

Und dennoch verändert sich nichts.

Erst wenn ein Mensch fragt: «Was mache ich nun daraus?», öffnet sich eine Tür.

Diese Frage wirkt unscheinbar. In Wahrheit besitzt sie eine erstaunliche Kraft.

Sie verwandelt das Opfer in einen Handelnden.

Sie führt aus der Ohnmacht zurück ins Leben.

Wer Verantwortung übernimmt, gewinnt seine Würde zurück.

Niemand kommt, um uns zu retten

Vielleicht liegt genau darin das Missverständnis vieler Erlösungsversprechen. Sie vermitteln den Eindruck, jemand anderes könne uns befreien.

Doch wahre Befreiung geschieht von innen.

Sie beginnt in dem Moment, in dem wir aufhören, auf den grossen Retter zu warten.

Dann entdecken wir etwas, das immer da war.

Einen stillen Kern in uns.

Er zeigt sich nicht in grossen Worten. Er zeigt sich, wenn einer am Morgen trotzdem aufsteht. Wenn er den nächsten Schritt tut. Wenn er aufhört, sich selber davonzulaufen.

Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft des Lebens:

Dass niemand kommt, um uns zu retten.

Und dass gerade darin ein Geschenk liegt.

Denn was wir suchen, tragen wir längst in uns.

 

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Über

Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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