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Der Haudegen Bruhin – wie ein Schwyzer im Baselbiet Geschichte schrieb
Ein Mann in der Kleidung des 19. Jahrhunderts, vielleicht ein Haudegen Bruhin oder Schwyzer, spricht leidenschaftlich von einem Podium aus zu den Dorfbewohnern, die sich auf einer Kopfsteinpflasterstrasse im Baselbiet versammelt haben, mit traditionellen Häusern und einem Kirchturm im Hintergrund.

Wenn von den Anfängen der Arbeiterbewegung im Baselbiet die Rede ist, taucht ein Name auf, den heute kaum mehr jemand kennt: Caspar Alois Bruhin.

Ein Mann, der 1824 in Schübelbach im Kanton Schwyz geboren wurde, aber im Oberbaselbiet zu einer Schlüsselfigur wurde. Er war Jurist, Journalist, Dichter – und vor allem ein Haudegen, der keine Scheu hatte, mitten in den politischen Stürmen des 19. Jahrhunderts Stellung zu beziehen.

Ein Schwyzer Kopf im Oberbaselbiet

Bruhin kam nicht zufällig nach Liestal. 1864 suchte die demokratische Bewegung im Baselbiet Verstärkung. Christoph Rolle aus Lausen (1806–1870), Lehrer, Geschäftsmann, Politiker und Vorkämpfer der direkten Demokratie, wollte einen Mann an seiner Seite, der nicht nur das Gesetz kannte, sondern auch das Feuer der Rede beherrschte. Er fand ihn in Bruhin. Als Staatsanwalt von Baselland (1864–1870) war dieser fortan mitten im Geschehen – zwischen Gerichtsstube, Redaktionsschreibtisch und Volksversammlungen.

Für Bruhin war der Staatsanwaltsstuhl allerdings mehr als ein Amt. Er war eine Plattform. Kaum angekommen, gründete er 1865 die Zeitung «Der Demokrat aus Baselland», die in Liestal erschien. Hier schrieb er in einer Sprache, die nicht abgehoben war, sondern ans Volk gerichtet. Kein theoretisches Räsonnieren, sondern klare Worte: gegen Missstände, gegen Bevormundung, für soziale Rechte.

Die Stimme der Arbeiterschaft

Mitten im Baselbiet begann er, die sozialen Fragen offen anzusprechen. 1864 veröffentlichte er die Erzählung «Leo, der Arbeiter und seine Lieben». Literarisch kein Meisterwerk, aber für die damalige Schweiz ein Novum: ein Text, der das harte Leben der kleinen Leute zum Thema machte. Bruhin wollte nicht die Gebildeten in den Salons beeindrucken, sondern die Arbeiter erreichen – jene Bandweber, Posamenter und Taglöhner, die auch im Oberbaselbiet um ihr tägliches Brot kämpften.

Bruhin forderte keine Revolution im grossen Stil. Ihm lag das Praktische am Herzen: Konsumvereine, Genossenschaften, Produktivgemeinschaften. Selbsthilfe statt Abhängigkeit. Sein Denken war nah bei den Menschen, die abends am Webstuhl sassen oder in der Werkstatt die Hände wund schufteten.

Sissach 1867 – ein historischer Moment

Am 24. November 1867 kam es in Sissach zu einem Ereignis, das heute fast vergessen ist, aber in die Geschichte einging. Rund hundert Arbeiter aus Basel-Stadt und dem Baselbiet versammelten sich. Sie kamen aus den Dörfern, manche von weither, um sich Gehör zu verschaffen.

Bruhin eröffnete die Versammlung mit einer Rede, die in Erinnerung blieb: flammend, leidenschaftlich, direkt. Am Ende dieses Tages stand die Gründung des «Arbeitervereins des Kantons Basel, Stadt und Landschaft». Ein Name, der das Programm trug: Stadt und Land, Hand in Hand. Für das Oberbaselbiet war das ein starkes Signal. Bruhin war nicht nur Beobachter, er war einer der Motoren dieses Zusammenschlusses.

Freund und Gegner zugleich

Natürlich war Bruhin kein einfacher Charakter. Wer so leidenschaftlich kämpft, der eckt an. Mit Wilhelm Klein, einem radikalen Vorkämpfer der Arbeiterbewegung aus Basel, lieferte er sich erbitterte Auseinandersetzungen. Klein war antiklerikal, Bruhin hielt am Christlichen fest. Sie standen auf derselben Seite – und doch trennten sie Welten.

Auch innerhalb der Arbeitervereine kam es zu Reibereien. Manche fanden Bruhin zu laut, andere zu kompromissbereit. Doch niemand konnte ihm absprechen, dass er mit Herzblut kämpfte.

Spuren im Baselbiet

Bruhin blieb bis 1870 Staatsanwalt in Liestal, ehe er nach Basel zog. Dort eröffnete er ein Anwaltsbüro und bewegte sich weiterhin zwischen den politischen Lagern. Mal stand er den Radikalen nahe, mal der ultramontanen Partei. Immer aber blieb er ein streitbarer Kopf.

Im Baselbiet jedoch hat er Spuren hinterlassen. Er war einer der ersten, die die soziale Frage hierzulande offen stellten. Einer, der in Sissach und Liestal mit seiner Feder und seiner Stimme für die Arbeiterschaft eintrat. Und einer, der es verstand, die Anliegen der kleinen Leute mit den Mitteln des Rechts und der Politik auf die Bühne zu bringen.

Ein fast vergessener Kopf

Am 25. Mai 1895 starb Caspar Alois Bruhin in Basel. Heute kennt kaum jemand mehr seinen Namen. Dabei gehört er zu jener Generation, die im Oberbaselbiet neue Wege beschritt – unbequem, leidenschaftlich, mitunter widersprüchlich, aber stets mit dem Mut, den Mund aufzumachen.

Vielleicht ist es Zeit, sich an diesen feurigen Kopf zu erinnern: an den Schwyzer, der im Baselbiet zum Staatsanwalt wurde, zum Redaktor und Arbeiterführer – und der gezeigt hat, dass auch hier, zwischen Liestal und Sissach, die grossen Fragen der Zeit verhandelt wurden.

 

 

 

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Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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