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In roter Schrift steht "BodeständiX" über dem schwarzen Text "Der Autorenblog von Hanspeter Gautschin" auf weißem Hintergrund.
Kulinarik mit Sprachgewürz
Ein rustikales Frühstück mit Kulinarik mit Sprachgewürz umfasst Brot, Käse, Schinken, Wurst, Suppe, Sahne, Kaffee, Milch, Spirituosen und eine Kaffeemühle auf einem Holztisch am Meer, während im Hintergrund ein Schiff segelt.

Der Spruch «Das Trinken lernt der Mensch zuerst, viel später dann das Essen» ist ein ausgezeichneter Einstieg in eine kleine kulinarische Sprachreise.

Er hat den Vorzug, dass er stimmt, bevor man überhaupt darüber nachgedacht hat. Das erste grosse Menschheitsgetränk war schliesslich Milch. Und gegessen wurde erst später, als die Sache mit den Zähnen einigermassen eingerichtet war.

Milch, Rahm und die Würde des Käses

Die Milch gehört zu den ehrwürdigen Grundnahrungsmitteln der Menschheit. Ihre Wortgeschichte bleibt zwar ein wenig im Nebel der Sprachwissenschaft stehen, doch ihr Rang ist unbestritten. Ohne Milch kein Säugling, ohne Rahm kein Dessert und ohne Käse keine anständige Diskussion über Schweizer Identität.

Beim Käse ist die Spur etwas klarer: Das Wort führt auf das lateinische caseus zurück. Die Römer hatten also nicht nur Strassen, Bäder und Verwaltungsordnungen, sondern offenbar auch ein ordentliches Verständnis für vergorene Milch.

Kaffee: Weltreise in der Tasse

Beim Kaffee wird es weltläufiger. Er kam über den arabischen Kulturraum nach Europa und brachte gleich ein ganzes Stück Orient in die Tasse. Der Name Mokka erinnert an den jemenitischen Hafen al-Muchā, über den der Kaffee einst seine Karriere begann.

Heute bestellt man ihn in Kapseln, früher reiste er über Meere. So ändern sich die Zeiten. Der Mensch bleibt derselbe: Er will morgens ansprechbar werden.

Vom Kajal zum Kater: Die Karriere des Alkohols

Nun aber zu den geistigen Getränken. Dort wird die Sprache munter, und manchmal auch der Mensch.

Das Wort Alkohol hat eine besonders schöne Karriere hinter sich. Ursprünglich bezeichnete das arabische al-kuḥl ein feines schwarzes Pulver zur Verschönerung der Augen. Später verstand man darunter einen besonders feinen, edlen Stoff. Über die gelehrte Fachsprache fand der Begriff schliesslich zu jener Flüssigkeit, die bis heute manche Augen nicht schöner, aber bestimmt glasiger macht.

Grog, Punsch und andere Seefahrerweisheiten

Auch der Grog hat seinen Auftritt verdient. Admiral Vernon, von den Matrosen «Old Grog» genannt, trug einen Mantel aus grobem Stoff, dem sogenannten grogram. Als er den Rum seiner Mannschaft mit Wasser verdünnen liess, blieb der Spitzname an der Mischung hängen.

Man sieht: Nicht jede Reform der Seefahrt wurde begeistert aufgenommen. Wasser im Rum ist für Matrosen ungefähr das, was lauwarme Kulturpolitik für Volksmusiker ist.

Der Punsch wiederum wird gerne mit dem Hindi-Wort pānch verbunden, also mit «fünf». Gemeint waren die fünf klassischen Zutaten. Das klingt geordnet, fast gesund. Doch wer Punsch kennt, weiss: Nach dem zweiten Glas zählt ohnehin niemand mehr nach.

Brot, Laib und die solide Seite des Lebens

Kommen wir zum Brot, dem verlässlichen Bürger unter den Lebensmitteln. Brot ist ein uraltes deutsches Wort, fest im germanischen Sprachraum verankert. Der Laib gehört in denselben ehrwürdigen Wortschatz.

Brot braucht keine grosse Inszenierung. Es liegt da, duftet gut und sagt: «Iss mich, und hör auf zu philosophieren.»

Schinken, Wurst und sprachliche Anatomie

Zu einem ordentlichen Essen passen Schinken und Wurst. Schinken dürfte mit «Schenkel» verwandt sein, was anatomisch einleuchtet und kulinarisch genügt.

Die Wurst hingegen erinnert an ältere Vorstellungen von Drehen, Wirken und Formen. Wer je eine Wurst gemacht hat, weiss: Da wird tatsächlich gewirkt. Und wer je eine schlechte Wurst gegessen hat, weiss: Manchmal wirkt sie länger, als einem lieb ist.

Die Suppe darf man hören

Die Suppe wiederum spricht mit einer Wurzel, die ans Schlürfen erinnert. Supen und saufen stehen sprachlich nahe beieinander. Das mag erklären, weshalb die Suppe einst mehr akustische Begleitung hatte als heute.

Unsere Vorfahren assen nicht immer leise, aber immerhin mit Überzeugung.

Maggi: Alltagsmagie aus Kemptthal

Wo Suppe ist, ist Würze nicht weit. Und wo Würze ist, steht bald Maggi auf dem Tisch. Dahinter steckt kein Hexenwerk, sondern Julius Maggi aus Kemptthal.

Aus einem Familiennamen wurde ein Begriff, der in vielen Küchen fast sakrale Bedeutung erlangte. Ein paar Tropfen genügen, und die Suppe bekommt jenen Tonfall, der sagt: «Jetzt wird es ernst.»

Bouillon, Mayonnaise und französische Eleganz

Bouillon führt direkt ins Französische und weiter zu bouillir, also «kochen». Schon das Wort klingt so, als müsste man dabei eine Schürze tragen und gelegentlich «voilà» sagen.

Die Mayonnaise wiederum trägt eine hübsche Geschichte mit sich, die gerne mit Mahon auf Menorca verbunden wird. Ob diese Herkunft wasserdicht ist, bleibt offen. Aber bei Mayonnaise verlangt man auch nicht nach Wasserdichte, sondern nach cremiger Überzeugungskraft.

Die Kartoffel macht Karriere

Die Kartoffel kam im 16. Jahrhundert aus Amerika nach Europa und wurde anfänglich keineswegs überall freudig empfangen. Ihr Name führt über ältere Formen wie tartufolo oder Tartuffel zurück und erinnert daran, dass man die neue Knolle mit der Trüffel verglich.

Eine beachtliche Karriere: vom misstrauisch beäugten Erdgewächs zur Rösti, zum Kartoffelstock und zu Pommes frites. Mehr gesellschaftlicher Aufstieg ist kaum möglich.

Wenn Sprachforscher streng schauen

Beim Meerrettich bleibt die Herkunft nicht völlig gesichert. Das ist bei solchen Wortgeschichten oft so. Kaum glaubt man, die Sache sei geklärt, kommt ein Sprachforscher um die Ecke und schaut streng.

Auch bei Mirabelle und Kastanie ist Vorsicht geboten. Manche Etymologien klingen so schön, dass man ihnen gerne glauben möchte. Gerade dann sollte man den Löffel kurz ablegen.

Dessert: Der süsse Nachtrag

Zum Schluss erreichen wir das Dessert. Das französische desservir bedeutet den Tisch abräumen. Was danach noch gereicht wird, heisst Dessert.

Eine sehr vornehme Idee: Erst räumt man ab, dann bringt man noch etwas Süsses. Das ist ungefähr so, als würde das Leben sagen: «Ich weiss, es war viel. Aber ein kleines Stück Kuchen geht noch.»

Die Sprache kocht mit

Wer dieser kleinen Sprachwanderung bis hierher gefolgt ist, darf sich nun mit gutem Gewissen dem nächsten Gang widmen. Denn Essen und Trinken sind nie bloss Nahrungsaufnahme. Sie erzählen von Handel, Reisen, Irrtümern, Gewohnheiten und menschlicher Erfindungslust.

Und manchmal zeigt sich dabei: Die Sprache ist wie eine gute Suppe. Sie wird besser, wenn man sie langsam kochen lässt.

 

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Ein älterer Mann mit grauem Haar und Brille sitzt in einem Holzstuhl, trägt einen dunklen Pullover, hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand und blickt von den Seiten auf. Der Hintergrund ist eine schlichte, helle Wand.

Ich bin Hanspeter Gautschin, Erzähler und Autor von BodeständiX – Geschichten, die bleiben.

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